Taschentücher haben jetzt Hochkonjunktur. Mit Hasel und Erle startet die unangenehme Zeit für Pollenallergiker. Die Augen tränen, die Nase läuft, die Luft bleibt weg. Mit welchen Maßnahmen können sich Allergiker jetzt schützen?

So klein und so eine große Wirkung: Gerade mal das Tausendstel von einem Millimeter ist so eine Erlenpolle groß, kann mehrere hundert Kilometer weit fliegen und raubt einem den Atem. Wie kann das passieren?

Ein Tausendstel Millimeter große Pollen verursachen bereits Atembeschwerden

Eine allergische Reaktion heißt: Das Immunsystem stuft harmlose Stoffe als gefährlich ein und antwortet mit einer Überreaktion.

Es sendet dann vermehrt Antikörper gegen die vermeintliche Gefahr aus. Folgen sind allergische Reaktionen wie eine laufende Nase, tränende Augen, Husten und Atemnot.

20.000-mal ein- und ausatmen jeden Tag

Pollenallergene sind meist inhalative Allergene, d. h. sie werden eingeatmet. Deshalb belasten sie auch die Atemwege.

Mit jedem Atemzug kommen Allergiker mit Pollen-Allergenen in Berührung. Doch warum reagieren Pollen-Allergiker mal mit laufender Nase und mal mit Husten und Atemnot?

Bahn frei – die oberen und unteren Atemwege

Von den oberen bis in die unteren Atemwege ist es ein langer Weg, auf dem jede Station wichtig ist.

Eine gesunde Atmung beginnt in der Nase. Denn die Nase ist unser bester Schmutzfilter. Hier bleiben Schmutzpartikel und Staub, aber auch kleinste Insekten an den feinen Nasenhärchen hängen, die bei der Mundatmung fehlen.

Große Klappe – der Kehlkopf trennt die Atemwege

Im Rachen trennen sich zwei Wege: die Speiseröhre und die Luftröhre. Der Kehlkopf ist der Übergang von den oberen zu den unteren Atemwegen. Er verfügt mit dem Kehlkopfdeckel über ein geniales Klappensystem, das die Luftröhre bei jedem Bissen, den man herunterschluckt, durch Zuklappen schützt.

Funktioniert das einmal nicht, hat man sich verschluckt. Dann wird der Fremdkörper per Husten wieder aus der Luftröhre herauskatapultiert.

Blut braucht Sauerstoff

Ist die Luftröhre am Anfang noch durchschnittlich ca. 2 cm breit und 12 cm lang, verästelt sich der Luftweg im Verlauf in feinste Bronchien, die in den linken und rechten Lungenflügeln münden. Sie füllen am Ende des Luftweges die Alveolen (Lungenbläschen) wie Miniluftballons mit Luft auf, damit das Blut mit frischem Sauerstoff versorgt wird. Bei 300 Millionen Lungenbläschen kommt man auf eine Fläche von 100 qm, was in etwa einer Dreizimmerwohnung entspricht – genug, um einen Körper mit ausreichend Sauerstoff zu versorgen.

 

Schleimhäute, die ideale Landebahn für Pollen

Da die Pollen aber so klein sind, können sie selbst von den Nasenhärchen nicht aufgehalten werden. Was bringt die Pollen so weit in die Atemwege? Die Schleimhäute! Pollen sind wasserlösliche Eiweiße. Kommen sie in Kontakt mit den Schleimhäuten, tritt Flüssigkeit aus den Blutgefäßen, die Schleimhäute schwellen an und röten sich. Daraus ergeben sich das Naselaufen, die geröteten Augen, das Brennen in Hals und Rachen und schließlich Husten und Luftnot.

 

Etagenwechsel von Nase zu Lunge

Es beginnt oft in den oberen Atemwegen zuerst mit einer allergischen Rhinitis, der laufenden Nase. Wechselt die Etage in die unteren Atemwege, kann daraus Asthma bronchiale werden.

Hasel und Erle machen den Anfang

Die gute Nachricht für Pollen-Allergiker: Pollen-Allergien sind im Gegensatz zu z. B. Hausstaub-Allergien zeitlich begrenzt. Pollen-Allergien haben vor allem im Frühjahr und im Sommer ihre Hochsaison. Da aber die Winter mittlerweile auch milder werden, beginnen die Frühblüher wie Hasel und Erle mitunter schon früher. Baumpollen fliegen bis Mai/Juni. Gräser-, Getreide- und Kräuterpollen sogar bis in den Spätsommer.

Einen Überblick über die Pollenbelastung in Deutschland bietet der Pollenflugkalender der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst.

Wind oder Bienen – die Bestäubungsart macht’s

Pollen sind die männlichen Zellen der Pflanze. Man unterscheidet Wind-Bestäuber von Insekten-Bestäubern. Die von Insekten bestäubten Pflanzen sind für Allergiker verträglicher, weil deren Pollen schwer und klebrig sind. Die windbestäubten Pflanzen stoßen Pollen in hohen Mengen aus. Eine Roggenähre setzt z. B. mehr als 4 Millionen Pollen frei. An manchen Tagen sieht man ganze Wolken von Pollen in der Luft.

Pollen im Anflug

Es reichen bereits 50 Pollen pro Kubikmeter Luft, um eine allergische Reaktion auszulösen. Die Pollenkonzentration ist dabei vom Wetter abhängig. Ein schöner, sonniger Tag lässt die Pollen ungehindert fliegen. Regen dagegen schwemmt die Pollen weg. In der Stadt ist die Pollenkonzentration abends am höchsten, auf dem Land normalerweise morgens. Den Pollen ist also schwer zu entkommen.

 

Pollenalarm! Was tun?

Die beste Art für Pollen-Allergiker der allergischen Reaktion zu entkommen wäre, dort zu leben, wo es die wenigsten allergieauslösenden Pflanzen gibt. Das wären dann Wüste, Polarkreis, Meer oder Hochgebirge.

Da das aber für die meisten eher unrealistisch ist, gibt es einige gute Verhaltensmaßnahmen, die den Kontakt mit den Allergenen reduzieren. Warum also nicht bei der Urlaubsplanung schon auf allergenarme Gebiete wie Hochgebirge oder Orte am Meer achten? Das ist Erholungsurlaub für die Atemwege und eine Stärkungskur fürs Immunsystem. Wer es kann, sollte am besten in der Hochblüte „seiner“ Pollen-Allergene verreisen.

 

So bleiben Allergene draußen

Und auch für die Zeit zu Hause gibt es Tipps, den Ausbruch allergischer Reaktionen einzudämmen:

  • Wer die Zeit draußen genießen will, sollte es mal mit einem Regenspaziergang versuchen. Bei Regen oder nach dem Regen ist die Pollenbelastung der Luft geringer.
  • Die Outdoor-Kleidung generell wechseln, wenn man nach Hause kommt – und am besten direkt waschen oder in einen verschließbaren Schrank hängen.
  • Beim Wohnungsputz eher feucht wischen, denn das verhindert Pollenwirbel.
  • Gartenbesitzer aufgepasst, bepflanzen Sie Ihren Garten mal allergenarm. Hier finden Sie gute Tipps: www.allergien-im-garten.de.

Finden Sie den richtigen Zeitpunkt zum Lüften:

• auf dem Land: abends zwischen 19 Uhr bis Mitternacht
• in der Stadt: morgens zwischen 6–8 Uhr
• kurzes Stoßlüften ist besser als langes Kipplüften
• ein Pollengitter hält mindestens 85 % der Pollen ab

Therapien – was hilft bei Pollenallergien?

Allergene nur zu vermeiden oder zu reduzieren, hilft leider nicht immer. Lassen sich die Beschwerden mit Verhaltensmaßnahmen nicht zähmen, gibt es nur noch den Gang zum Arzt und Apotheker.

 

Bestimmte Medikamente helfen dann den Menschen mit einer Pollen-Allergie, die Beschwerden zu lindern. Hierzu zählen Antihistaminika und kortisonhaltige Präparate.

 

Zusätzlich bietet auch die Alternativmedizin Betroffenen die Möglichkeit, den Frühling und Sommer aktiv genießen zu können.